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Übersichtskarte

Backnanger Bucht mit Keuperbergland

Entstehung der "Bucht"

Geologisches Profil

Muschelkalk-Formation

Keuper-Formation

Steinbrüche

Die Mär von der Backnanger Meeresbucht

  

Geologie der Backnanger Bucht 

 

Übersichtskarte

 

             Gelb: Backnanger Bucht        Grün: Keuperbergland        Grau: Neckarland

 

 

Backnanger Bucht mit Keuperbergland

 

           Vordergrund: Steinbruch bei Zwingelhausen (Lettenkeuper mit Lößlehmauflage              über Oberem Muschelkalk).

           HintergrundKeuperbergland mit Stubensandstein-Hochfläche und                             Kieselsandstein-Verebnungsfläche (Schloss Ebersberg).

 

 

Entstehung der Backnanger Bucht

Die Entstehung der Backnanger Bucht ist durch eine in West-Ost-Richtung verlaufende Aufwölbung  ("Backnanger Sattel") zu erklären, die in Verbindung mit dem parallel dazu verlaufenden Schwäbisch-Fränkischem Sattel steht. Im Zentrum der Aufwölbung konnte das Regenwasser durch die Erosion mit der Abtragung der Gesteinsschichten beginnen.

Das ursprünglich auf der Juraschicht angelegte Gewässersystem der Murr hat in den vergangenen 60 Millionen Jahren ein ca. 1.000 m mächtiges Gesteinspaket abgetragen.

Nicht richtig ist in diesem Zusammenhang die oft gehörte Äußerung, dass die Backnanger Bucht eine ehemalige "Meeresbucht" gewesen ist. Die Bezeichnung "Bucht" ist auf die Landschaftsform zu beziehen, die hufeisenartig im Norden, Osten und Süden vom Keuperbergland begrenzt wird und nach Westen zum Neckar hin geöffnet ist.

 

 

Geologisches Profil der Backnanger Bucht:

 

Die Einzelschichten sind aus Darstellungsgründen stark überhöht!

 Zeichenerklärung:

 Ehemalige Jura-Hochfläche: –  –•    •    •    •    •    •    •    •    •    •    •    •    •    •   –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  –  – 

 Keuper:                                                                 Muschelkalk:

 km4:    Stubensandstein (Stufenbildner)          mo:   Oberer Muschelkalk (Stufenbildner)

 km3o:  Obere Bunte Mergel                               mm:  Mittlerer Muschelkalk

 km3s:   Kieselsandstein (Stufenbildner)            mu:   Unterer Muschelkalk

 km3u:   Untere Bunte Mergel

 km2:     Schilfsandstein (Stufenbildner)

 km1:     Gipskeuper

 ku:         Lettenkeuper

 

 

Muschelkalk-Formation

Den geologischen Unterbau der Backnanger Bucht bilden die ca. 200 m mächtigen Gesteins-schichten der Muschelkalkformation, die vor 245 bis vor 237 Millionen Jahren in einem flachen Meer abgelagert wurden. Durch eine weiträumige Landsenkung konnte von Norden das Meer der Muschelkalkzeit in das Germanische Becken vordringen. Das Muschelkalkmeer erstreckte sich vom heutigen Französischen Zentralmassiv bis nach Polen und vom Alpenvorland bis zur heutigen Nordsee. Über wechselnde Meeresarme war dieses flache Randmeer mit einem Meer im Südosten, der Tethys, verbunden. Durch das heiße und trockene Klima - unser Raum lag damals in etwa in 20° nördlicher Breite, vergleichbar mit der Lage des heutigen Nordafrika - verdunstete aus dem flachen Meeresbecken viel Wasser. Der im Wasser gelöste Kalk setzte sich am Meeresboden ab, wo er sich dann zum Muschelkalkgestein verfestigte. Salzablagerungen, die im Heilbronner und Schwäbisch Haller Raum im Mittleren Muschelkalk vorkommen, sind im Backnanger Raum nicht vorhanden.

Namensgebend für die Muschelkalk-Formation sind die zahlreichen Versteinerungen, die jedoch sehr ungleichmäßig in den einzelnen Muschelkalkschichten verteilt sind. Zwischen fossilarmen Gesteinsschichten liegen gesteinsbildende Muschelbänke. Besonders häufig sind Fossilien von Muscheln, Schnecken, Armkiemern (Terebrateln) und Seelilien. Sehr zahlreich sind auch Versteinerungen von Ceratiten und Nautiliden (Verwandte der Tintenfische). Ceratiten sind Ammoniten, die im Muschelkalkmeer eine eigene selbständige Entwicklung durchgemacht haben. Im Oberen Muschelkalk finden sich auch immer wieder Versteinerungen von Schmelzschuppenfischen (Knochenfische) und Flossenstacheln und Zähnen von Knorpelfischen. Auch Knochenreste von Amphibien (z. B. gut erhaltene Brustpanzer und Zähne) und Knochenreste  und Zähne von Nothosaurus, einem Reptil, sind in der obersten Muschelkalkschicht, dem Grenzbonebed, recht häufig.

In der Backnanger Bucht ist der Obere Muschelkalk nur in den Taleinschnitten der Murr und in ihren zuführenden Bächen, sowie in den Steinbrüchen Zwingelhausen und Rielingshausen erschlossen. Ansonsten wird der Muschelkalk vom Lettenkeuper, der untersten Keuperschicht, die mit dem Muschelkalk entstehungsmäßig eng verzahnt ist, überlagert. Über dem Lettenkeuper ist zudem noch eine mehr oder weniger mächtige Schicht von Lößlehm erhalten, der in der letzten Eiszeit in Form feinster Staubteilchen durch Wind aus der Oberrheinischen Tiefebene hierher verfrachtet wurde. Lößbedeckte Muschelkalkflächen, die sehr gute bis gute Böden für die Landwirtschaft ergeben, bezeichnet man in Südwestdeutschland als "Gäuflächen". Nahezu in Vergessenheit geraten sind die vielen ehemaligen Ziegeleien und Tonwarenbetriebe, die diesen Lößlehm oder Ton in der Vergangenheit verarbeiteten (Firma Pfeil und Firma Wieland in Backnang, Firma Rombold in Unterweissach). 

Durch Lösungsprozesse im Kalkgestein sind, ähnlich wie im Weißjura der Schwäbischen Alb, charakteristische Karstformen wie Trockentäler, Dolinen und Bachversickerungen im Bereich der Backnanger Bucht keine Seltenheit.

 

Keuper-Formation

Die Begrenzung der Backnanger Bucht im Norden (Löwensteiner Berge), im Osten (Murrhardter und Welzheimer Wald) und im Süden (Berglen) wird vom Keuperbergland gebildet. Das Germanische Becken war zur Keuperzeit (vor 235 bis vor 200 Millionen Jahren) eine weite, flache Senke, die teilweise noch Verbindungen zum offenen Ozean hatte. Geringfügige Schwankungen im Meeresspiegel oder Hebungsvorgänge des Festlandes konnten starke Veränderungen bewirken. So erklärt sich auch die Tatsache, dass in der Keuper-Formation marine (im Unteren Keuper) und festländische Ablagerungen (im Mittleren und Oberen Keuper) vorhanden sind, die zudem noch von dem damals herrschenden Klima - subtropisch bis semiarid - beeinflusst wurden. Im Mittleren und Oberen Keuper wurden durch periodisch auftretende Schichtfluten, großen Fluss-Systemen und Wind aus den umgebenden Festlandsgebieten Sedimente ins Keuper-Becken transportiert. Für die fluviatilen Sandablagerungen im Keuper lassen sich zwei Herkunftsgebiete zuordnen:

  • Die Sandsteine des Unteren Keupers und der Schilfsandstein stammen vom Fennoskandisch-Baltischen Festland aus dem Norden.
  • Kiesel- und Stubensandsteinwurden vom Böhmisch-Vindelizischen Land aus Osten und aus Süden geliefert.

Im gesamten Keuper finden sich, mehr oder weniger häufig, Fossilien von Fischen, Amphibien und Reptilien. Das wohl bekannteste Amphibienfossil, der gewaltige Mastodonsaurus, wurde aus dem Unteren Keuper von Gaildorf und Kupferzell geborgen. Besonders bemerkenswert sind die Funde der weltweit ältesten Schildkröten aus dem Stubensandstein (Oberbrüden, Murrhardt). Pflanzenreste von Schachtelhalmen wurden von den Steinbrucharbeitern früher irrtümlich als "Schilfpflanzen" bezeichnet. Daraus ergab sich dann die eigentlich falsche Bezeichnung "Schilfsandstein". Im Backnanger Stadtgebiet findet man noch viele Mauern und Gebäude, bei denen Schilfsandstein verbaut wurde (z. B. Aufgang zur Schiller-Schule, am Stadtturm u. a.). 

 

       

Steinbrüche

 

            Oberer Muschelkalk: Steinbruch bei Zwingelhausen

 

            Ehemaliger Schilfsandsteinbruch Rotenbühl (bei Winnenden-Hertmannsweiler).

 

                                    Ehemaliger Stubensandsteinbruch (Althütte-Waldenweiler)

 

 

 

Backnanger Kreiszeitung vom 19. September 2012: 

Die Mär von der Backnanger Meeresbucht   

Geschichten entlang der Murr (XI): Landschaftsform über Millionen von Jahren durch Erosion entstanden – Wasser nicht weich

Das wär ein Ding: Zu Füßen des Burgbergs eine exotische Traumlandschaft, eine verlockende Meeresbucht mit Sandstrand, auf traumhaft blauem Wasser Segelboote und Surfbretter. Und ein Steg, über den die Badelustigen hinausspazieren können, um sich eine sanfte Brise um die Nase wehen zu lassen.

           Wunschvorstellung von der Backnanger "Meeresbucht"           Bild: Hermann Reinhardt

 

Von Armin Fechter

 

BACKNANG. Was sich ein findiger Zeitgenosse da einmal zusammengeträumt hat, entbehrt leider jeden realistischen Grundes. Backnang hat zwar die Murr und da und dort ein sandiges Ufer. Aber mit einer Bucht, die etwa zum Segeltörn einladen würde, hat das nichts gemein – nein, nicht einmal in grauester Vorzeit formten die Gestade der Murr eine Badebucht.

 

Aber was hat es dann mit der Backnanger Bucht auf sich, von der immer die Rede ist? Wer die jüngste Ausstellung im Helferhaus besucht hat, konnte sich auf den Tafeln des geologischen/archäologischen Arbeitskreises im Backnanger Heimat- und Kunstverein selbst informieren. Denn da steht zu lesen, dass der Begriff Bucht in diesem Fall die Landschaftsform bezeichnet, die sich über Millionen von Jahren rund um die heutige Murr-Metropole herum gebildet hat. Ihre speziellen Kennzeichen: Im Norden, Osten und Süden findet sich Keuperbergland – die Löwensteiner Berge, der Murrhardter Wald und die Berglen. In Richtung Westen öffnet sich die Gegend hin zu den Gäulandschaften.

 

Entstanden ist die Backnanger Bucht zunächst durch eine lokale Aufwölbung. Diese steht in Verbindung mit dem in West-Ost-Richtung verlaufenden Schwäbisch-Fränkischen Sattel. Im Zentrum der Aufwölbung begann das abfließende Wasser Gesteinsschichten abzutragen – Erosion setzte ein. Dieser Prozess hat mit der Zeit das spätere Gewässersystem der Murr hervorgebracht, das in 60 Millionen Jahre immerhin ein 1000 Meter mächtiges Gesteinspaket abgetragen hat.

 

Die Murr, wie wir sie heute kennen, hat sich dabei erst spät entwickelt. Anfangs hatte sie auch nicht ihre Fließrichtung nach Westen zum Neckar und zum Rhein und damit in die Nordsee. Als Ur-Murr gilt vielmehr die Lauter, die nach Osten hin strömte. Sie vereinigte sich auf ihrem Weg mit der Rot und mündete in den Kocher, und dieser ergoss sich dann weiter ins Flusssystem der Donau, die ihrerseits – auch heute noch – weiter nach Osten strebt, um ins damalige Molassemeer zu münden. Die Weißach und auch die Wieslauf waren dagegen nach Westen ausgerichtet. Die Wasserscheide verlief in dieser Zeit quer zur heutigen Fließrichtung der Murr. Kurios obendrein: Was wir heute als Schanze zwischen Murr- und Rottal, zwischen Fornsbach und Fichtenberg kennen, sind die letzten Überreste jener Aufwölbung, an der die Murr und ihre Zuflüsse graben und knabbern. Nicht nur das: Die Schanze bildete einstmals sogar den Talgrund, über den die Ur-Murr zur Rot abfloss.

 

Das Ganze steht auch im Zusammenhang mit dem Oberrheingraben, der vor vielen Millionen Jahren aufgebrochen ist und sich dann sukzessive verändert hat. Die Rheinzuflüsse schnitten sich immer tiefer in die Erdschichten ein und gruben immer mehr Boden ab. So hat sich das Rhein-System immer weiter vorgearbeitet und schließlich das Südwestdeutsche Schichtstufenland gebildet, das wir kennen. Gleichzeitig hat die Donau immer mehr an Boden verloren, ihr Einzugsgebiet ist nach und nach geschrumpft.

 

Diese Umkehrung lässt sich heute noch an der Murr, aber auch an Neckar, Rems, Lauter, Kocher, Bühler und Jagst ablesen: Ihre Ober- und zum Teil auch Mittelläufe weisen nach Südosten.

Der Erosionsprozess ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor gräbt sich das Rhein-System mit seinen Zuflüssen weiter ein und wird, wenn die Abtragungs- und Anzapfungsgeschwindigkeit anhält, spätestens in 20 Millionen Jahren die Schwäbische Alb bis zur Donau hin abgetragen haben. Die Geologen rechnen damit, dass das gesamte Gebiet zwischen Ulm und Regensburg dann in Richtung Nordsee entwässert.

 

Zu der Zeit, als es noch keine Murr in unserem heutigen Sinn gab, waren Meer und Land noch ganz anders auf dem Erdball verteilt. Von Mitteleuropa aus gesehen, befand sich weit im Südosten, beginnend etwa im Bereich des östlichen Mittelmeers und Kleinasiens, der Tethys-Ozean. Nördlich davon lag Laurasia, die große Landmasse, aus der später Europa und Asien hervorgingen. Vor über 240 Millionen Jahren begann sich das Land abzusenken. Von Süden, von der Tethys her, drang nun über wechselnde Arme salziges Wasser ein. Es bildete sich ein flaches Randmeer, das maximal 200 Meter tief war und dessen Verbindung zum großen Ozean zeitweise auch unterbrochen war. Dieses Muschelkalk-Meer erstreckte sich vom französischen Zentralmassiv bis nach Polen und vom Alpenvorland bis weit in die heutige Nordsee.

 

Spuren dieser Zeit haben sich im Boden links und rechts der Murr erhalten. In Steinbrüchen treten sie zutage, oftmals auch auf größeren Baustellen. Über eine stolze Sammlung an prähistorischen Fundstücken verfügt Klaus Dahl, dessen Schätze in der Ausstellung im Helferhaus zu sehen sind.

Wer genau hinschaut und ein wenig Fachwissen mitbringt – oder das Glück hat, vom Experten selbst Erläuterungen zu erhaschen – , kann an den Steinen nicht nur unterschiedliche Formen von Schnecken und Muscheln erkennen, sondern auch die Fortentwicklung der Lebensformen mitverfolgen. Denn jede Gesteinsschicht, ob Muschelkalk oder Lettenkeuper, steht für eine bestimmte erdgeschichtliche Epoche, und jede Periode hat ihre Lebewesen hervorgebracht. So sieht der Betrachter Ceratiten (Kopffüßer), die beim Backnanger Freibad gefunden wurden, ebenso wie einen Haiflossenstachel, der aus Zwingelhausen stammt. Auch Teile von Sauriern – etwa vom krokodilähnlichen Nothosaurus – haben die Gesteinsschichten in der Backnanger Buch freigegeben. Im Kieselsandstein des Alten Bergs in Allmersbach am Weinberg haben Saurier sogar ihre Fußabdrücke hinterlassen. Und schließlich hat der Keuper auch Pflanzenteile aus vorgeschichtlicher Sumpflandschaft freigegeben – damals bestanden die Wälder aus Schachtelhalmen und allerlei Farngewächsen. Farne und Schachtelhalme kennt man auch heute, doch sind diese Exemplare Winzlinge gegenüber den gewaltigen Stämmen, die vor gut 200 Millionen Jahren gediehen.

 

Im Übrigen: Hermann Reinhardt, Experte für Erd- und Flussgeschichte, hat in der Ausstellung nicht nur mit der Mär um die Backnanger Meeresbucht aufgeräumt. Er wies bei der Eröffnung auch darauf hin, dass das sogenannte weiche Wasser, das als Standortfaktor für die Gerber und die Lederindustrie der ehemaligen Süddeutschen Gerberstadt genannt wurde und wird, so nicht haltbar ist. Bereits am Ursprung in Vorderwestermurr sind Härtegrade von über 16 festzustellen. Bei Murrhardt sind es bereits 18 Härtegrade und beim Murrtalviadukt in Backnang sind es bereits über 20 Härtegrade.

 

 

 

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